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Flächenfraß im Eiltempo: Wieder sollen 18 ha Wald, Heide und Felder für Golfer-Neulinge und Reitprominenz in Wachtbergs grüner Lunge zum Opfer fallen

25. Mai 2015

Reiter, Millionäre und Golfer nehmen „Wachtbergs Toscana vor der Haustür“ zunehmend für sich in Beschlag. UWG sieht Ausverkauf der Wachtberger Natur-Reserven kritisch und fordert zügige Expertenanhörung zu umfangreichen Sportstättenplänen im südlichen Grüngürtel.

Wachtberg. Der angeblich in Wachtberg gezügelte Flächenfraß geht in großem Stile munter weiter.

Nach den Plänen von Baron Edouard de Rothschild vom Dreilindenhof und dem Golfclub Bad Godesberg sollen im idyllischen Areal oberhalb von Niederbachem, kurz vor der Landesgrenze, jetzt wieder insgesamt rund 18 ha Wald, Heide und Felder für elitären Sport in Beschlag genommen werden.

Jahre zuvor waren schon einmal viele Hektar (insgesamt rund 20 ha) für das imposante Anwesen eines inzwischen nach Köln abgewanderten reichen Industriellen teilweise den Baumaschinen zum Opfer gefallen. Zuvor wurde das inzwischen insgesamt rund 50 ha große Naturschutzgebiet Rodderberg stückweise für die Reiterei frei gegeben, die sich bis 2031 mit Vorbild-Charakter zu einer schonenden Geländenutzung vertraglich verpflichtet hat.

Die UWG weist darauf hin, dass auch in der angrenzenden Kaolingrube Oedingen bundesweit bestandsgefährdete Amphibienarten wie Kamm-Molch, Gelbbauch-Unke, Bergland-Unke und Geburtshelferkröte sowie andere seltene Tier- und Pflanzenarten leben und nach der FFH-Richtlinie der EU geschützt werden müssen.

Den Ausverkauf der „Wachtberger grünen Lunge“ sieht neben der Bezirksregierung in Köln auch die Unabhängige Wähler-Gemeinschaft (UWG) in Wachtberg sehr kritisch. Die UWG fordert eine rasche intensive Prüfung der geplanten Bauten sowie Sportstätten-Erweiterungen im rar gewordenen Wachtberger Grüngürtel. Und dies unter zügiger Einbeziehung von Landschaftsschützern, Naturschutzverbänden, örtlichen Landwirten sowie hiesigen Sportlern und interessierten Bürgern.

Dazu erklärt der Stellvertretende UWG-Fraktionsvorsitzende Wilfried Laupert, UWG-Ratsmitglied aus der angrenzenden Wachtberger Ortschaft Züllighoven, weiter in einer Medien-Information: Der anhaltende Flächenfraß in großem Stil sollte in Wachtberg längst der Vergangenheit angehören. Mit Hilfe der SPD sollen nun wieder insgesamt rund 18 ha Wald, Heide, Felder und Kulturlandschaft für gut betuchte Sportler aus der „grünen Lunge Wachtbergs“ rausgeschnitten werden.

Dieser Sinneswandel der SPD ist nicht mehr nachvollziehbar. Zusammen mit der CDU macht sich die SPD in Wachtberg zum Steigbügelhalter für Multimillionäre.

Nachdem die Bezirksregierung in Köln kürzlich eine gewünschte Erweiterung des Dreilindenhof-Areals auf 5,7 ha abgelehnt hat (Trainingsstandort für Springreiten auf Weltklasseniveau, bauliche Anlagen für Training und Ausbildung sowie Zucht von Turnierpferden) sollen nun im Eiltempo wieder mit Zustimmung der SPD und CDU sowie eiliger Zuarbeit der Verwaltung 8-12 ha landwirtschaftliche Flächen etc. für die Erweiterung des benachbarten Golfclubs (Golfschule) als Pachtland für 20 Jahre erlaubt werden. Damit fallen all diese Flächen praktisch für die bürgerschaftliche Nutzung eine Generation lang aus.

Die UWG zeigte sich zudem verwundert über entsprechende Aussagen der Gemeindeverwaltung, dass diese das Ansinnen des Golf-Vereins grundsätzlich begrüßt. UWG-Ratsmitglied Wilfried Laupert fügte hinzu: Bei uns in Wachtberg wachsen die Flächen auch nicht nach. Deswegen müssen die Belange von Natur, Sport, Wirtschaft und Bürgerwille sauber und ohne Vorurteile aber dafür sehr bewusst abgewogen werden. Zudem sollten wir mit unseren schützenswerten Flächen mit Blick auf nachfolgende Generationen in Wachtberg sparsam und vorsichtig umgehen. Der Platz des Golfclub Bonn-Bad Godesberg in Wachtberg e.V. hat 18 Löcher und jetzt schon eine Länge von 5018 m.

UWG-Politiker Wilfried Laupert weiter: Auch wenn die rot-grüne NRW-Landesregierung im Koalitionsvertrag auf längere Sicht einen Netto-Null-Flächenverbrauch für NRW festgelegt hat, muss die Wachtberger SPD deswegen heute nicht gleich in Zustimmungs-Hektik verfallen. Die SPD sollte sich vielmehr daran erinnern, dass sie den Bürgern vor einem Jahr im Wahlkampf einen schonenden Umgang mit den Flächen in Wachtberg versprochen hat. Davon hat sie sich – wie die jüngsten Abstimmungen zeigen – mehr als deutlich entfernt.

 

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